Meine Arbeit - die Pflege und häusliche Versorgung alter Menschen
Halbtags versorge ich einen alten
Menschen im seiner gewohnten Umgebung. Meist sind es
Menschen die normalerweise von der Tochter oder anderen
Angehörigen gepflegt und versorgt werden solange es sich mit
Beruf und Familie vereinbaren lässt.
Da wir Menschen heute nun mal stark in den Beruf eingebunden
sind, ist dann oft „Not am Mann“ wenn dieser
pflegebedürftige Mensch auch Hilfe benötigt wenn die Kinder
auf der Arbeit oder einfach mit der Situation überfordert
sind.
Das sind dann Situationen wo jemand wie ich dann gefragt
ist, denn das ist oft die einzige Lösung die Menschen vor
dem Alten- oder Pflegeheim zu bewahren. Die Angehörigen
wissen, das sich in ihrer Abwesenheit jemand kümmert und
können beruhigt ihren Beruf ausüben oder werden einfach nur
entlastet. Das entspannt manche Situation ungemein. Oftmals
ist man dann Seelentröster für beide Parteien.
Einen alten Menschen nicht
in Zeittakte pressen
Da man sich ja nur um einen Menschen kümmert, kann man sich
voll auf die häusliche, pflegerische und soziale Situation
einstellen. Man kann optimal auf die Bedürfnisse des zu
Pflegenden eingehen und muss ihn nicht in vorgegebene
Zeittakte pressen oder Fließbandarbeit leisten.
Das ist auch für mich ein Grund warum ich nie in einem
Alten- oder Pflegeheim arbeiten wollte. Nichts gegen diese
Einrichtungen, für manche Menschen ist es die letzte oder
einzige Alternative. Aber Zeit um auf ein einzelnen Menschen
einzugehen ist da Mangelware – das soll kein Vorwurf sein
gegenüber dem Personal, denn dieses bemüht sich zum großen
Teil nach Kräften. Nein, denn sehr oft liegt das Problem bei
der Heimleitung die, um Kosten zu sparen, zu wenig
Personal für zu viele Pflegebedürftige bereit hält. Das ist
dann einfach nicht zu schaffen.
Geduld und Verständnis -
das A und O
Für eine Arbeit in der Altenpflege sollte man Geduld, Verständnis und Einfühlungsvermögen mitbringen und eine gute Portion „dickes Fell“. Der Umgang mit alten Menschen ist nicht immer einfach – und doch kann ich sagen, wenn man weiß wie man sie nehmen muss, gute Laune mitbringt und hin und wieder ein offenes Ohr für Sorgen und Nöte hat, funktioniert der Rest fast wie von selbst.
Das Traurige daran ist aber, zu sehen wie der
Mensch immer weiter auf den Tod zu geht und dann stirbt. Man
versucht Lebensfreude zu vermitteln - muss aber immer dem
unweigerlichen Verfall durch Alter oder Krankheit zusehen.
Man kann ihn nicht aufhalten. Man möchte den Menschen noch mal
richtig auf die Beine helfen - aber die
Natur, oder Gott hat es nun mal anders geplant. Das deprimiert schon
manchmal, aber die Dankbarkeit die ich oft von diesen
Menschen erfahren habe, weil man bemüht ist sich liebevoll
zu kümmern, belohnt mich jedes Mal für meine Mühe und
spendet mir wiederum Trost.
Freundschaft auf Zeit
Nun ist es der Lauf des Lebens, den kann man nicht
aufhalten. Trotzdem bin ich immer traurig wenn dieser Mensch
dann stirbt, den ich gepflegt habe und eine persönliche
Beziehung zu ihm oder ihr aufgebaut habe. Man erfährt ja
doch so viel aus ihrem Leben: humorvolle Anekdoten,
Erinnerungen an Glück und Leid. Ich habe dadurch einen
besonderen Bezug zur Arbeit.
Es ist für mich immer eine Freundschaft auf Zeit. Ich
betracht es nicht als Arbeitsstelle, sondern eher als ein
Stück Weg das man zusammen geht. Nur begleite ich diese
Menschen fast immer bis in ihren Tod, dazu muss man stark
sein.
Eure Petra
Copyright by Petra Simonis
@ 2004 entspannung-und-meditation.de

